
kl
12. Dez. 2025
TEDDA ARTS freute sich über die annähernd 40 Gäste im 'Open Atelier' in Bremens City
Freunde und Bekannte, Vertreter:innen aus Wissenschaft sowie aus Politik und Wirtschaft, Verantwortliche für die Stadtentwicklung und nicht zuletzt Künstlerinnen und Künstler fanden sich am 10. Dezember 2025 ein, denn dieser Abend hatte gleich in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes zu bieten.
Es war die Premiere des neuen Formats: tedda.talks. Ein Format, das Raum schaffen will für Austausch, Gespräche und neue Gedanken. Genau das, was dieses Atelier längst sein sollte: ein kultureller und gesellschaftlicher Resonanzraum. Ein Raum zwischen Kunst und Dialog – Art and Talk.
Und natürlich wurde auch ein Blick auf die neuen Arbeiten geworfen. Stefan Görres erläuterte anhand neuer und älterer Bilder die künstlerische Entwicklung der letzten beiden Jahre:
Begonnen hat sie mit klaren, fast strengen geometrischen Strukturen. Daraus wurden später organisch wirkende, aber immer fiktive Landschaften, Gegenstände und Situationen, entstanden aus stark verfremdeten Bildwelten, nach dem Motto: „Nichts ist mehr so, wie es war“.
Und heute ist in einigen seiner Bilder ein Realität, z.T. von gesellschaftlichen Klischees — direkt, kritisch, manchmal provokant, zu sehen. Eine Entwicklung, die zeigt, wie sehr sich Kunst an unserer Gegenwart reiben kann und muss.
In seinen Ausführungen zur seiner künstlerischen Technik - Digitale Malerei - wies er darauf hin, dass diese für viele noch ungewohnt sei, weil sie in den Köpfen oft mit Postern oder Drucken gleichgesetzt wird. Digitale Malerei ist nicht einfach ein "digitales Bild", sondern ein Werk, das mit digitalen Pinseln, Strukturen und Farben in einem kreativen Prozess entsteht – ähnlich wie Öl- oder Acrylmalerei, nur auf einem anderen Medium. Es sind keine zufällig generierten Designs, sondern echte Kunstwerke mit Konzept, Emotion und Technik.
Moderne Kunst entwickelt sich weiter – wie die Fotografie einst als künstlerisches Medium belächelt wurde, so ist digitale Malerei heute eine neue Form der Ausdruckskraft. Öl und Acryl haben ihre Tradition – digitale Malerei ist eine neue Dimension mit eigenen Techniken und Möglichkeiten. Die Kernbotschaft von Stefan Görres und TEDDA ARTS:"Meine Kunst verbindet traditionelle Maltechniken mit digitaler Innovation. Ich arbeite mit virtuellen Pinseln, Schichten und Texturen, um Tiefe und Emotion zu erzeugen – so wie es klassische Maler mit Öl oder Acryl tun. Jedes Werk ist einzigartig und kein bloßer Druck oder Poster. Jedes Werk beginnt mit einem Moment aus der realen Welt – doch am Ende bleibt nichts, wie es war." Eine Transformation von Realität in eine neue Kunstform.
Ganz wunderbar passte dazu auch der inhaltliche Teil des Abends im Rahmen des ersten tedda.talks:
Ein Vortrag von Lars Lammers und Sönke Busch zum Thema „Die Farbe in unseren Köpfen – Von Kunst und Angst und Mut und Städten“.
Beide gehören dem Vorstand des ZKÖR e.V. Bremen (Zentrum für Kunst am öffentlichen Raum) an — und beide stehen mit ihrer Arbeit in ganz besonderer Weise für genau dieses Thema.
Sönke Busch ist freischaffender Künstler und Publizist. Nach internationalen Stationen — unter anderem in Wien, Amsterdam, Berlin, Monastir und Honolulu — ist Bremen sein kreativer Mittelpunkt geblieben. Seine Arbeit führt ihn aber nach wie vor nach Amsterdam und Vancouver. Für seine außergewöhnlichen Projekte wurde er mit dem Unternehmerpreis des Ministeriums für Wirtschaft und Technologie „Kultur- und Kreativpilot“ der Bundesregierung ausgezeichnet. Im Jahr darauf folgten eine wöchentliche, bundesweite Lesung auf dem Radiosender FLUX FM sowie das Projekt “Der Plan- Die lauteste Rede der Welt.”
Sönke Busch arbeitete zudem als Dozent für kreatives Schreiben an der Universität Bremen und gewann für seine künstlerische Arbeit mit dem Team der Produktion “Einigkeit und Rap und Freiheit” im Jahre 2019 den Grimme Online Award.
Sönke Busch betätigt sich seit 25 Jahren am öffentlichen Raum der Stadt Bremen, seine Arbeiten und Interventionen sowie sein Engagement sind Teil des Bildes und der Gesellschaft von Bremen.
Lars Lammers ist freier Architekt BDA, kultureller Aktivist und seit vielen Jahren prägend für die Verbindung von Architektur, Stadtraum und Kulturarbeit in Bremen.
Vor und während des Studiums der Philosophie, Kulturwissenschaften und der Architektur in Berlin und Bremen war Lars Lammers parallel in der Clubkultur tätig, und bundesweit als DJ aktiv. Er engagierte sich im »Forum Junger Architekten« in Bremen. International beachtet wurden seine künstlerischen Aktivitäten rund um den im Umbau befindlichen Speicher XI im Jahr 2003.
2005 folgte die Gründung des gemeinschaftlich betriebenen Büros. Die fundierte planerische und sozial-gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Großwohnanlagen der 60er- und 70er Jahre wurde durch die Bundesstiftung Baukultur prämiert. Das professionelle Engagement für kulturell genutzte Räume und planerische Begleitung von Transformationsprozessen zieht sich als roter Faden durch die Arbeit von Lars Lammers. Ehrenamtlich engagiert sich Lammers im Präsidium der Architektenkammer Bremen; er ist über die Landesgrenzen in kulturellen Netzwerken aktiv.
Zwei Persönlichkeiten also, die nicht nur über Kunst im und am öffentlichen Raum sprachen, sondern ihn in Zukunft auch aktiv gestalten wollen. Kunst sehen sie eng verbunden mit dem Thema Stadtentwicklung. Anhand einer launigen, aber auch kritische Betrachtung des Themas in 10 Thesen führten sie durch das Thema: ‚Wie kann Kunst die integrale Struktur unserer Stadt verändern?‘ ‚Wie kann das Denken der Kunst das Denken der Stadt verändern?‘ und ‚Wie kann das Radikale der Kunst den Istzustand erschüttern und neues Handeln provozieren?‘ waren die Leitfragen ihres mal solo und mal im abwechselndem Pingpong vorgetragenen Appells an die Stadtgesellschaft.
Und danach ging es dann ganz entspannt weiter: mit inspirierenden Gesprächen, neuen Begegnungen, alten Bekannten — und natürlich bei pikanten Snacks und einem guten Glas Ahrwein.
Ein rundum gelungener Abend.

Stefan Görres, Sönke Busch, Lars Lammers am 10.12.2025